Dienstag, 3. April 2012

Gewaltverherrlichung in "Türkisch für Anfänger"

Heute Abend habe ich mir im Kino den Film "Türkisch für Anfänger" angeschaut.
Ich wusste, dass es sich um einen klamaukigen Film handelt, der mit Plattitüden und bewusst platzierten Vorurteilen voll ist und von solchen Späßen lebt. Das kann lustig sein, und ich hatte mich darauf eingestellt.
Abgesehen davon, wie schlecht der Film dann sowieso war, habe ich mich vor allem über die Entwicklung des Mädchens von der Vegetarierin zur Fleischesserin geärgert.
Ich warne hiermit vor dieser langweiligen Aneinanderreihung von schlecht gespielter, vermeintlicher Situationskomik, die darüber hinaus auf Tierrechtler nur befremdlich wirken kann.
Meinen Unmut habe ich dem Filmverleiher bereits geschildert:

"Sehr geehrte Damen und Herren bei Constantin,

ich habe heute Ihren Film "Türkisch für Anfänger" gesehen und habe mich sehr über die Verherrlichung von Gewalt gegenüber Tieren ärgern müssen.
Zu Beginn des Films spielt die Hauptdarstellerin eine Vegetarierin, die Leichenteile nur mit Gummihandschuhen anfassen möchte. Dass die fiktive Person dazu von ihrer Familie gezwungen wird und das annimmt, war ohnehin eine seltsame Situation. Darüber hinaus wirkte es, als machten sich die Filmemacher über Personen lustig, die Gewalt gegenüber Tieren und ihren sinnlosen Tod nicht hinnehmen wollen.
Im Verlauf des Films wird die schrullige weibliche Hauptrolle als Außenseiterin dargestellt, so lange sie nicht mit den anderen Menschen Tiere isst. Erst, als sie aus heiterem Himmel mit anderen Leuten am Tisch Affenhirn verspeist, gibt es ein harmonisch inszeniertes Bild, das alle vereint zeigt.
Die ehemalige Vegetarierin hängt dann mehrere tote Hühner im Zimmer eines Nebencharakters auf, um diesen zu ärgern.
Gegen Ende des Films beweist der Charakter die Heilung von der "Krankheit" Vegetarismus, indem das Mädchen einen panierten Hühnerflügel nimmt, davon beiläufig abbeißt, und den Rest anschließend in die Büsche schmeißt. Mitgefühl ade! Moderne, nein danke!
Alle knutschen, bumsen im Flugzeug und quälen Tiere.
So sollte ich bei lautem Gedudel froh gelaunt den Kinosaal verlassen.
Was für eine Farce.

Im Abspann wird erwähnt, dass alle im Film verwendeten Tiere von Fachpersonal beaufsichtigt wurden. Haben Sie für die Szenen mit Hühnern am Stück sowie für die Szene mit abgetrennten und frittierten Hühnerflügeln echte Leichen benutzt? Und wenn ja, inwieweit wurden diese für den Film benutzten Tiere von Fachpersonal betreut?"

Kommentare:

  1. :D Oh man freue ich mich über die Antwort von Constatin!! Hoffentlich kommt da eine!

    PS: Danke für die Warnung! Meine Jugendlichen haben sich auch gewünscht, dass ich mit ihnen in diesen Film gehe! Selbstverständlich wird das jetzt nix! Keinen Cent sieht Constatin von mir für diesen Film!

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  2. Na sowas! Ein Sturm im Wasserglas!

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  3. ich hab ihn mir auch angesehen und war etwas enttäuscht, die serie war deutlich besser. aber ich fands grad geil, dass viel mit klischees und vorurteilen gespielt wurde, und der film halt herrlich unkorrekt war. das mit dem hühnerflügel am ende hab ich gar nicht richtig mitbekommen. aber ich finde das auch nicht problematisch, weil der film ja wirklich ALLES auf die schippe genommen hat, und von rassistischen, frauen- und schwulenfeindlichen sprüchen voll war. da wird doch niemand ausgerechnet das ernst genommen haben.
    sieh das mal alles bisi lockerer; es lauert nicht überall das böse ;-)

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    1. Mich hats auch nicht gestört, dass gegen kartoffelige spießige Deutsche, kriminelle "Neger", "Reisfresser" und dümmliche türkische Machos gewitzelt wurde. Dafür bin ich ja ins Kino gegangen. Aber jede dieser Gruppen kann sich wehren oder eben über nicht ernst gemeinte Verbalattacken hinwegsehen.
      Tiere können sich nicht wehren. Und wenn für den Film mehrere tote Hühner in ein Häuschen gehängt wurden, nur eben zum Spaß, dann ist das keine abstrakte Satire, die in einem zweidimensionalen Sinnbild stattfindet, sondern eine Untat, die tatsächlich stattgefunden hat. Wenn ich einen Afrikaner auf der Straße verprügeln gehe, das Ganze filmen lasse, und anschließend als Komödie verkaufe, ist das auch nicht gut. Die Grenze zwischen lustig und dumm ist in diesem Film wohl fließend, erscheint mir aber eben an dem genannten Punkt überschritten.

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    2. Hans-Joachim R.3. April 2012 um 23:03

      Also wirst du dir in Zukunft keine Filme mehr ansehen, in denen Fleisch gegessen wird?

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    3. Mich hat eben dieser Film besonders geärgert, weil Fleisch essen oder nicht essen bewusst thematisiert und bei der Hauptfigur abgeschafft wurde.
      Wenn sich jemand gezielt mit dem Thema auseinandersetzt und sich dann dafür entscheidet, Vegetarismus blöd darzustellen und Tiere für seinen Film töten zu lassen, ist es für mich etwas anderes, als wenn irgendeine Figur in einem Film in einem Fastfoodrestaurant sitzt und isst.
      Einige der simplen Entwicklungsstränge in Türkisch für Anfänger sind:
      -Der türkische Mann ist ein Macho, der Frauen geringschätzt. Im Verlauf des Films lernt er ein deutsches Mädchen ehren und lieben.
      -Das deutsche Mädchen ist eine langweilige eiserne Jungfrau. Im Verlauf des Films lernt sie den temperamentvollen Türken lieben und wird zu einer lebensfrohen Person.
      -Eine Mittvierzigerin kommt nicht mit ihrem Alter klar und treibt sich gern mit Jugendlichen herum, möchte lieber Sex mit einem Buben haben als mit einem gleichaltrigen Mann. Im Verlauf des Films lernt sie ihren Körper, ihre eigene Person und einen sympatischen Mann kennen und lieben.
      -Ein stotternder Junge hat Berührungsängste und ist ein in sich gekehrter Anpasser. Im Verlauf des Films wird er den Mut fassen, ein Mädchen bei der Hand zu nehmen und verliert dadurch sein Stottern.
      -Die Hauptdarstellerin ist eine verkniffene Vegetarierin, die ihrer Familie peinlich sein muss und die durch ihren Verzicht auf Tiere als Nahrung keinen Anschluss in der Gesellschaft Anderer findet. Im Verlauf des Films wird sie durch den Konsum von Affenhirn in die Gruppe inkludiert und kann sich durch den Verzehr eines Hühnerschenkels als lebensfrohe Person ohne innere Hemmnisse darstellen.

      Wenn es so wäre, dass alles sich zum Unsinn wendete, wäre der letzte Punkt als Satire anzusehen. Solche groß angelegten Witze vermag der Film allerdings leider garnicht zu bewirken. Gags gibt es nur aneinandergereiht in den plumpen Handlungssträngen, die darauf ausgelegt sind, dass der Film ein "gutes" Ende nimmt. Damit habe ich gerechnet. Aber nicht mit dem letzten Punkt, den ich beschrieben habe.

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  4. Vorsicht mit solchen Bildern auf deinem Blog!
    Da du vermutlich weder Urheber bist, noch Bildnutzungsrechte daran hast, könnte das schnell teuer werden wenn das jemand sieht, dem das nicht passt.
    Jaja, das gute alte copyright ;)

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    1. Danke für den Hinweis.
      Ich habe das Bild durch ein Foto ersetzt, das ich selbst im öffentlichen Raum geschossen habe.

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  5. Das klingt ja wirklich nach einem Film, den man nicht anschauen sollte bzw. der eigentlich verboten gehört. Ich sehe das recht eng und verstehe voll Deine Empörung. Allein sich über so etwas Ernstes wie Tiermord in irgenweiner Weise lustig zu machen, finde ich verwerflich. Und alles, was dann in dem Film noch hinzukommt, ist einfach nur übelstes Neandertal.
    Liebe Grüße von Iris

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  6. irgenweiner... soll natürlich heißen irgendeiner... sorry... ;-)

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