Montag, 8. Oktober 2012

Good Guys don't wear leather


Schuhe vom Pariser Modelabel Good Guys will ich schon haben, seit ich sie das erste Mal im DearGoods in München gesehen habe. Vom Kauf abgehalten hatte mich bisher der Preis, und die Tatsache, dass bis vor Kurzem sowieso noch Sneakerwetter war.
Aber da die kalte Jahreszeit unaufhaltsam näherrückt, dachte ich mir: lieber jetzt kaufen, als noch auf Weihnachten warten und dann glückliche Monate mit den Schuhen versäumen.
"Leider" gibt es einige gute Farben, so dass ich am liebsten gleich zwei Paar Schuhe mitgenommen hätte... ich habe mich dann für die hellbraune hohe Variante entschieden, die mir von Anfang an am meisten imponiert hatte.
Im Schuhkarton ist noch ein weicher Schuhbeutel enthalten - eine nette Zugabe, für die ich aber nicht wirklich Verwendung habe. Ein zweites Paar Schnürsenkel wäre mir wahrscheinlich lieber gewesen.
Bei mir passen die Schuhe in der üblichen Größe, in der ich auch sonst Schuhe kaufe. Das Obermaterial sieht nicht nur absolut täuschend echt aus wie Wildleder, es fühlt sich auch so an. Die Finger streicheln beim Anfassen aber keine abgezogene Tierhaut, sondern eine nicht wieder zu erkennende Version geschmolzener Plastikflaschen. Das Material ist leicht, wasserabweisend und laut Hersteller auch atmungsfähig. Ich habe die Schuhe nun schon einige Male getragen ohne dabei ins Schwitzen zu geraten.
Dass die Treter von Good Guys (vor allem in dieser Farbe) so sehr nach Leder aussehen, kann mitunter auch bei Veganern für Verwunderung sorgen: "Sind eigentlich die Schuhe noch aus deiner 'Zeit davor'?" Zum Glück ist auf der Sohle der Hinweis "suitable for vegetarians" aufgedruckt, so dass bei Unschuldsbeteuerungen niemand untenrum blank ziehen muss.
Natürlich ist nicht nur das Obermaterial vegan, die Schuhe sind komplett frei von Tierprodukten.

Im E-Mail-Kontakt mit dem Hersteller habe ich außerdem erfahren, dass dort gerade an einem ethisch korrekten Reinigungsmittel für die Schuhe gearbeitet wird. Bis dahin übersetze ich noch einige Tipps und Hinweise, die mich vor und nach dem Kauf interessiert haben:
  • GG Schuhe kann man ruhig bei Regen anziehen, aber man sollte sie nicht durch Massen von Schlamm ziehen und anschließend einfach stehen lassen, weil das Trocknen des Schlamms am Schuh das Material beeinträchtigen kann. (Hersteller)
  • Sie sind mit einer Bürste, Wasser und einer Spezialseife aus dem Bioladen leicht zu reinigen, angeblich kann man sie sogar von Blut- und Weinflecken befreien. (Hersteller)
  • Regen halten sie aus, Schnee auch, aber man sollte die Schuhe nicht jeden Tag nass machen, weil es sich immerhin doch um etwas anderes als einen Bergstiefel handelt. (Hersteller)
  • Wenn man die Schuhe eine längere Zeit trägt, ohne sie penibel zu reinigen, bekommt das Obermaterial genau wie Tiermordleder eine speckige Optik (oder sollte man besser sagen: einen matten Glanz von Seidentofu?). (Händler)
Die Spitze an der Innenseite des Absatzes hat bei mir nach einer guten Woche etwa einen Millimeter nachgegeben, was aber nicht weiter schlimm ist und zu erwarten war, da ich eben eine Tendenz zum Pronieren habe und darauf auch bei Laufschuhen achten muss.
Wer die Schuhe einmal im Laden anprobiert, sollte unbedingt die hinteren Laschen als Einstiegshilfe verwenden, mit denen das Anziehen leicht fällt, mit einem Schuhlöffel kommt man dagegen nicht so gut rein.
Bei aller Freude über die Schuhe jetzt noch zwei Kritikpunkte:
An beiden Laschen ist schon jetzt jeweils an der gleichen Stelle etwas schwarzes zu sehen, das bei Lichteinfall schimmert. Für mich sieht das danach aus, dass das flauschige braune Obermaterial auf einer Art Plastikplane befestigt ist und sich an diesen Stellen abgelöst hat. So lange es nur an diesen Stellen auftritt kann ich damit leben, aber wenn diese Flecken sich mit der Zeit über den Schuh ausbreiten, werde ich hier nochmal schreiben.
Im Fersenbereich der Schuhe ist eine Verstärkung eingebaut, was bei jedem Schuh sinnvoll ist.
Leider entwickelt diese Verstärkung bei meinem rechten Schuh bereits ein interessantes Eigenleben. Der Bereich fühlt sich allerdings nach wie vor stabil und verstärkt an.
Sieht durch die Nahaufnahme ein bisschen grusliger aus als es wirklich ist :-)

Die Schuhe kosten bei DearGoods 169,90 Euro.
Auf der Homepage von Good Guys sind es zwar zehn Euro weniger; rechnet man allerdings die 15 Euro Porto dazu, kommt man mit 174 Euro im Internet schlechter weg. Bei DearGoods vorbeischauen, anprobieren und beraten lassen ist also angesagt!

Ich hoffe, dass die Schuhe noch eine lange Zeit halten werden - denn wenn ein Produkt ökologisch und vegan produziert wurde und den Mitarbeitern angemessene Löhne gezahlt wurden, ist das eine feine Sache; richtig fair ist ein Produkt aber immer erst, wenn der Käufer auch lange etwas davon hat.

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Update (09.10.2012):
Ich finde eine genaue Besprechung dieser Schuhe sinnvoll, weil ich selbst vor dem Kauf keine ordentlichen Reviews im Internet finden konnte. Deshalb noch ergänzend:
Die Betreiberin des DearGoods benutzt selbst seit zwei Monaten ein hohes Good Guys Modell, bei dem es noch keine Abnutzung des Fersenbereichs in diesem Ausmaß gibt.
Mein Kontakt beim Hersteller Good Guys gibt nach Betrachten der Fotos an, dass es bekannt sei, dass die Schuhe an den Fersen nach einiger Zeit "etwas merkwürdig" aussehen können. Man meine aber, dass dies auch nach längerer Zeit keinen negativen Einfluss, z.B. durch Aufreiben von Socken, haben sollte.
Man wird allerdings versuchen, sich bei zukünftigen Produktionen um ein Innenmaterial zu bemühen, das nicht so aussieht.

Kommentare:

  1. Hallo!
    Die Schuhe sehen gelungen aus, und ich wünsche Dir, daß Du lange Freude an Ihnen hast (für den Preis sollte man das definitiv erwarten). Allerdings stimmen mich die von Dir gezeigten beginnenden Verschleißerscheinungen doch ein wenig skeptisch.... Dennoch hoffe ich, Du wirst erst in ein paar Jahren (und nicht bereits in ein paar Wochen oder Monaten) berichten, daß die Schuhe allmählich verschlissen sind...
    Liebe Grüße
    Iris

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  2. Ein stolzer Preis, aber die sehen gut aus. Berichte mal in einem Jahr, wie die Plastikflaschen den Alltag überstanden haben :)

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  3. Also, die Stofftasche ist sehr praktisch, wenn du verreist, weil du dann die Schuhe darin einpacken kannst und deine Wäsche nicht einsaust. Oder als Wäschebeutel.
    Aber das Foto mit dem Innenleben sieht sehr bedenklich aus. Das würde ich doch mal schleunigst im Laden vorzeigen. Viel Erfolg! Rz

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    1. Die Besitzerin des Geschäfts bezeichnet das als normale Gebrauchsspuren.

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